Hochverehrter Herr:
Ich sollte mich glücklich schätzen, wenn Sie Sich noch meiner erinnern wollen, der Sie etwa vor einem Jahre um das Recht, Ihr berühmtes Werk “The Origin of Species” in’s Böhmische übersetzen zu dürfen, ersuchte.2 Mit grösster Bereitwilligkeit, die mich noch heute mit Dank erfüllt, haben Sie damals Erlaubniss dazu gegeben. Seit der Zeit ist aber nahezu ein Jahr verflossen, ohne dass Ihnen die böhmische Ausgabe des in Rede stehenden Werkes mitgetheilt wurde: und dies aus dem Grunde, dass sehr wichtige, meinen Lebenslauf betreffende Ereignisse mich verhindert haben, das begonnene Werk zu beenden; ich hoffe aber, dass mein Nachfolger so glücklich sein wird, Ihnen noch im Laufe dieses Jahres die böhmische Ausgabe des “Origin of Species” verehren zu dürfen.3
Was mich anbetrifft, so dürfte es Sie und den Herrn Francis Darwin, dem ich für seine freundlichen Briefe zum herzlichen Dank verbunden bin, interessiren, zu erfahren, dass ich von der afrikan. Gesellschaft in Deutschland (in Berlin) zum Begleiter des berühmten, Ihnen wohlbekannten Afrikareisenden Dr. Gerhard Rohlfs, auf seiner neuen Tour quer durch Afrika (von Tripolis über Uadaï, Quellen des Schari, Sansibar) erwählt wurde; seit Ende October 1878 befinde ich mich, dem neuen Berufe obliegend, in Afrika.4 Derzeit sind wir in Sokna, wo wir die Geschenke des deutschen Kaisers an den Sultan von Uadaï abwarten müssen, hoffen aber in den nächsten Tagen über Katarah weiter vorzurücken, so dass wir Ende Juni in Uadaï anzukommen gedenken.5
Als Zoologe, habe ich ein reiches Feld für specielles Studium vor mir, und ich versichere Sie, hochverehrter Herr, dass es bei allen meinen Forschungen Ihre epochale Theorie ist, für die neue Belege zu finden, neue Beweise darzubringen ich stets bemüht bin. Ich habe schon einige interessante Beobachtungen bezüglich der Erblichkeit gewisser Charactere und der Mimicry bei den Orthopteren der Sahara, der Abstammung, Verwandschaft und des Farbenwechsels bei den Chamaeleonten und Ascalaboten etc. etc. gemacht, und eine vorläufige Nachricht in den “Mittheilungen der afrikan. Gesell. in Deutschland (in Berlin)” veröffentlicht.6 Ich bin fest überzeugt, dass sich mir mit der Zeit viele andere, interessante, mit Ihrer Theorie im Einklange stehende Thatsachen darbieten werden, und ich werde mir dann erlauben, Ihnen darüber direct zu referiren.
Indem ich Sie höflichst bitte, zu entschuldigen, dass ich mir die Freiheit genommen habe, an Sie diese Zeilen zu richten, habe ich die Ehre zeichnen zu dürfen, | in unbegränzter Hochachtung | Ihnen stets ergebener Diener | Dr. Ant. Stecker.
Most esteemed Sir:
I should count myself lucky if you still remember me, who about a year ago asked you for the right to be allowed to translate your famous work “The Origin of Species” into Bohemian.2 With the greatest obligingness, which to this day still fills me with gratitude, you gave your permission then. Since that time, however, almost a year has passed without the Bohemian edition of the work in question having been sent to you: the reason for this being that major events in my career prevented me from completing the work in progress; however, I hope that my successor will be so fortunate as to present you with the Bohemian edition of the “Origin of Species” in the course of this year.3
As regards myself, you and Mr Francis Darwin, to whom I am cordially obliged for his kind letter, may be interested to learn that I was selected by the afrikan. Gesellschaft in Deutschland (Berlin) to accompany the famous Africa explorer Dr. Gerhard Rohlfs, whom you know well, on his latest tour across Africa (from Tripoli via Ouaddai, sources of the Chari, Zanzibar); since the end of October 1878 I have been, as required by my new occupation, in Africa.4 Currently we are in Sokna, waiting for the arrival of the presents of the German emperor for the Sultan of Wadai, but we are hoping to move on towards Qattara in the next few days, so that we are expecting to arrive in Wadai in late June.5
As a zoologist I have before me a rich field for specialist study, and I assure you, most esteemed Sir, that in all my studies it is your epochal theory for which I always endeavour to find new evidence and to produce new proofs. I have already made some interesting observations regarding the heredity of certain characteristics and mimicry among the Orthoptera of the Sahara, the origin, relations and the colour change among the Chameleons and Ascalabotes etc. etc., and I have published a preliminary note in the “Mittheilungen der afrikan. Gesell. in Deutschland (in Berlin)”.6 I am of the firm conviction that many more and interesting facts that are in harmony with your theory will come my way with time, and I will venture to report them directly to you.
Begging you most humbly to excuse my having taken the liberty of addressing these lines to you, I have the honour to remain | with boundless respect | always your obedient servant | Dr. Ant. Stecker.
Please cite as “DCP-LETT-11901,” in Ɛpsilon: The Charles Darwin Collection accessed on