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13 März 1868
Hochgeehrtester Herr,
Ich habe Ihr geehrtes Schreiben vom 2. März richtig erhalten und antworte in deutscher Sprache, da diese mir geläufiger ist als die englische und Ihnen wahrscheinlich verständlicher als die italiänische.—2 Ich muss mir einige Zeit gönnen, um die von Ihnen gewünschten Notizen zu sammeln. Mir vorbehaltend, in ein Paar Wochen Ihnen weitere Nachrichten zu geben, kann ich vorläufig folgendes sagen.
Es ist eine in Italien ausgemachte Sache, dass der Seindenwurm (Bombyx mori) eine grössere Anzahl von weiblichen als von männlichen Schmetterlingen giebt.3 Daher werden die Männchen mit grossem Fleisse und grosser Sorgfalt aufbewahrt, um damit mehr als ein Weibchen zu befruchten. Diess habe ich selbst sehr oft beobachtet und mehrere befragte erfahrene Seidenwurmzüchter haben es vollkommen bestätigt. Einige Züchter fügten hinzu, es habe sich dieses Missverhältniss bedeutend gesteigert durch die Krankheit, welcher der Seidenwurm seit vielen Jahren ausgesetzt ist.4 Auch habe ich (und andere) beobachtet, dass das Weibchen von der Krankheit mehr als das Männchen befallen ist.
Seit einigen Jahren wird hir auch der Aïlantus Wurm (Bombyx cinthia) gezogen und kann man jährlich zwei Generationen haben.5 Die Schmetterlinge der ersten Generation sind vorwaltend Männchen, die der zweiten Generation Männchen und Weibchen fast in gleicher Zahl oder etwas vorwaltend Weibchen. Indess ist hier zu bemerken, dass die Raupen der ersten Generation sich in der Zeit entwickeln wo die Wespen sehr zahlreich sind und von diesen vertilgt werden, und einige Züchter annehmen, mit mehr oder weniger Grund, dass die Wespen eine Vorliebe für die weiblichen Schmetterlinge haben könnten, wodurch das Missverhältniss gesteigert würde. Genaure Beobachtungen liegen darüber bis jetzt nicht vor.
Hinsichtlich der wildlebenden Thiere bemerke ich dass der Fisch Cobitis taenia, bei uns sehr häufig, nur in weiblichen Exemplaren beobachtet wurde, was schon prof. De-Filippi beobachtete und und auch ich bestätigt habe.6 Man hat einen ähnlichen Fall wie beim Aal.
Ueber Bellingieri’s Arbeiten werde ich Nachsuchungen machen; seine Arbeiten wurden in den Acten der Turiner Akademie veröffentlicht, vielleicht findet man Sonderabdrücke.7
Mit aller Hochachtung | Ihr ergebenster | Prof. Joh. Canestrini.
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13 March 1868
Highly Honoured Sir,
I have received your honoured letter of 2 March and reply in German, for I am more fluent in it than in English, and you will most probably understand it better than Italian.—2 I must allow myself some time to collect all the information you wanted. With the proviso of giving more information in a couple of weeks’ time, I can tell you the following for the present.
In Italy it is an established fact that the silkworm (Bombyx mori) produces a larger number of female than of male butterflies.3 The males are therefore looked after with great diligence and great care, so that each can fertilise more than one female. I myself have often observed this and a number of experienced silkworm-breeders have absolutely confirmed it. A few breeders added that this imbalance has significantly increased as a result of the disease to which the silkworm has been exposed for a number of years.4 Also, I (and others) have observed that this disease affects the female more than the male.
For a number of years we have also produced the ailanthus worm (Bombyx cinthia), and two generations can be raised per year.5 The butterflies of the first generation are predominantly male, those of the second generation males and females in equal proportion, or slightly more females than males. It must however be noted that caterpillars of the first generation develop at a time when wasps are abundant, and are destroyed by them, and a number of breeders assume, with more or less reason, that the wasps might have a preference for female butterflies, which would increase the imbalance further. More detailed observations on this are not as yet available.
With respect to wild animals, I notice that only the female of the fish Cobitis taenia, which is very common here, has been observed, which has already been noted by prof. De-Filippi and also confirmed by me.6 The case is similar to that of the eel.
I shall make enquiries about Bellingieri’s works; his papers were published in the Acts of the Academy of Turin, and possibly offprints are available.7
With all my respects | Your most devoted | Prof. Joh. Canestrini.
Please cite as “DCP-LETT-6010,” in Ɛpsilon: The Charles Darwin Collection accessed on