From Gustav Magnus   17 Marz 61

Berlin 17 März 61.

Mein theurer Tyndall

Es ist also in der That eingetroffen was ich befürchtete. Wir haben beide über denselben Gegenstand gearbeitet. Ich mache mir dabei einen Vorwurf daß ich in meiner Rücksicht für Sie zu weit gegangen bin. Als ich meine Versuche über die Durchstrahlung bei Anwendung von kochendem Wasser längst beendet hatte, erfuhr ich durch Clausius im Octob v. J., bei Gelegenheit des Jubilaeums der hiesigen Universität, daß Sie über die Durchstrahlung der Wärme durch die Gase arbeiteten. Ich gestehe daß ich die Ankündigung dieser Arbeit in den Proceedings übersehen hatte. Ich war zweifelhaft ob ich Ihnen schreiben und Ihnen meine Resultate mittheilen sollte. Ich überlegte mit Poggendorff, allein ich mußte, da Ihre Ankündigung bereits im Januar 1860 erfolgt war, vermuthen, daß Ihre Arbeit fast vollendet sei, und eine briefliche Mittheilung meiner Resultate erschien mir als ein Beschlaglegen auf die Priorität einem Manne gegenüber, der seit einem Jahre sich mit einer Arbeit beschäftigt hatte, die ich deßhalb auch vollendet glaubte. Ich sehe jetzt daß ich besser gethan hätte zu schreiben, denn Poggendorff sagt mir daß Sie Ihre Versuche erst im November ausgeführt haben; während der erwähnte erste Theil meiner Untersuchung vollendet war, als ich im July über die Leitung der Wärme durch die Gase las; denn ich glaube Sie kennen mich und meine Ängstlichkeit hinreichend um zu wissen, daß ich nicht von einer Leitung der Gase würde gesprochen haben, wenn ich mich nicht überzeugt gehabt hätte, daß die Verschiedenheit der Erwärmung in denselben nicht auf einer Verschiedenheit in der Durchstrahlung beruht. Deßhalb mußte diese Durchstrahlung gerade für die Wärme untersucht werden, welche für die Leitung benutzt worden war, die des kochenden Wassers. Die auffallenden Resultate welche ich wie Sie erhalten liessen mich wünschen vor der Veröffentlichung zu untersuchen wie sich die Gase bei Anwendung einer Wärmequelle von hoher Temperat verhalten und das hat mich im vergangenen Herbst beschäftigt. Es ist ein eigenthümliches Schicksal das ich habe nun schon zum dritten Male gleichzeitig mit einem Andern dasselbe Thema bearbeitet und in denselben Tagen publicirt zu haben; das Einzige was mir dabei einige Genugthuung gewährt ist daß es gerade die bedeutendsten Experimentatoren, wie Sie und Regnault sind, mit denen ich concurrire. Es ist nun ein mal geschehen und läßt sich nicht ändern. Hätten wir mehr zusammen correspondirt, es wäre nicht vorgekommen. Lassen Sie uns fortan wenigstens, wo wir ohne Zweifel beide den Gegenstand verfolgen werden, uns gegenseitig über das in Kenntniß erhalten, was ein Jeder von beiden vor hat, damit wir nicht wieder zusammen treffen. Sobald unsere beiderseitigen Arbeiten publicirt sein werden wird eine solche Verabredung leichter und bestimmter möglich sein als jetzt. Aus dem Februarheft von Poggend, werden Sie gesehen haben daß meine Versuche sich nicht auf die Dämpfe ausdehnen, dies gehört mit Ausnahme des Wasserdampfes Ihnen allein, dagegen haben Sie das Ammoniacgas nicht untersucht, wahrscheinlich weil dasselbe Ihre Röhre angegriffen haben würde. Dies Gas absorbirt aber noch viel, viel stärker als Oelbildendes Gas. Ueber die Ausstrahlung der Gase habe ich gar nicht gearbeitet, dies höchst interessante Verhalten entdeckt zu haben, gehört Ihnen ganz allein. Ich denke zunächst mich mit dem Einfluß der reflectirenden Flächen zu beschäftigen, doch habe ich vorher noch eine andere Arbeit abzuschliessen über die Leitung der Gase für Electricität, die auch sehr merkwürdige Resultate liefert.

Was Sie in den Comptes rendus von einer 15 Mal stärkeren Absorption der feuchten Luft sagen ist mir nicht verständlich, es sei denn daß Ihre Luft Nebel enthielt, oder daß vielleicht die Feuchtigkeit sich auf den Steinsalzplatten nieder geschlagen hat. Denn ich habe keinen Unterschied oder einen kaum wahrnehmbaren finden können zwischen Luft die ganz mit Feuchtigkeit bei 17ºC gesättigt und trockner Luft.

Leben Sie wohl, schreiben Sie mir bald! So bald meine Abhandl die bereits in der Druckerei ist gedruckt sein wird sende ich sie Ihnen.

Von Herzen | Ihr | GMagnus.

Meine Frau und Kinder tragen mir die freundlichsten Grüße auf. Hätten Sie uns ein Mal besucht namentlich im vergangenen Jahre, die Carambulage hätte nicht statt gefunden! Kommen Sie doch bald ein Mal.

Berlin, 17 March 61

My dear Tyndall

My apprehensions have indeed been realised. We both have been working on the same subject.1 I reproach myself for having been too ready to defer to you. At a time when my experiments on the passage of radiation using boiling water had long been finished, I heard through Clausius in October last year, on the occasion of the anniversary of our university, that you were engaged with research on the radiation of heat through gases. I confess that the announcement of this investigation in the Proceedings2 had escaped my notice. I was doubtful if I should write to you and inform you of my results. I considered the case with Poggendorff and, as your notice had appeared already in January 1860, I supposed you had already finished the investigation and it appeared to me that a communication of my results to you, who had been engaged on the subject for a whole year, would equal a claim to priority. I perceive now that the better course would have been to write to you, because Poggendorff tells me that your experiments were made in November only, while the said first part of my investigation was already finished, when I read about the conduction of heat in gases in July. I believe you are sufficiently acquainted with me and my solicitude to know that I would not have spoken about conduction in gases, were I not convinced that the difference in the rise of temperature was not caused by a difference in the passage of radiation. It was necessary, for this reason, to examine this passage for that heat that was used for conduction, that is, that of boiling water. The striking results that I, as well as you, obtained made me desirous to examine, before publishing these results, how the gases behave with a source of heat of a high temperature, and this subject occupied me during last autumn. It is a strange fate that this is now the third time that I have been working simultaneously with another person on the same subject and also publishing the results at the same time. The only satisfaction I derive from this circumstance is that I have been competing with the most eminent experimentalists, such as Regnault3 and yourself. It has happened and cannot be changed. If we had corresponded more frequently it would not have occurred. Without doubt, we both shall pursue the subject; in the future, let us therefore communicate to each other the object that each one of us intends to pursue, so that we do not clash again. As soon as our respective papers are published,4 such an understanding can be more easily established than at present. You will have learned from the February issue of Poggend5 that my experiments do not include vapours, the investigation of this part of the subject, with the exception of steam, belongs exclusively to you. On the other hand you have not examined ammonia, probably because the gas would have attacked your tube. But this gas absorbs much more than oil-building gas. On the radiation from gases no experiments have been made by me, and the interesting discoveries on this point are due to you alone. I intend to examine the influence of reflecting surfaces, but before this I have to finish another investigation on electric conduction in gases, which is also yielding most remarkable results.

Your statement in the Comptes rendus6 that moist air has a 15 times greater absorption is not comprehensible to me, unless your air contained fog, or that perhaps a layer of moisture had settled on your rock-salt plates. For I was not able to notice a difference, or a barely perceptible one, between air that was entirely saturated with moisture at 17ºC and dry air.

Farewell, write to me soon! As soon as my paper, which is already at the printers’ is printed, I shall send a copy to you.

Cordially | Your | GMagnus.

My wife and children7 charge me to send you their kindest greetings. If you had visited us, namely during the last year, the collision would not have happened! Do come soon.

RI MS JT/1/M/24

We both have been working on the same subject: the absorption of heat by gases.

the announcement of this investigation in the Proceedings: Tyndall (1859).

Regnault: Henri Victor Regnault (1810–78), chemist and physicist.

As soon as our respective papers are published: Tyndall (1861) and G. Magnus, ‘Ueber die Verbreitung der Wärme in den Gasen’, Poggend. Annal., 112 (1861), pp. 351–2 and 497–549. Tyndall’s paper (see letter 1767, n. 2) was also published by Poggendorff a few months after Magnus’s paper. See also letters 1792 and 1793.

You will have learned from the February issue of Poggend: see letter 1767, n. 4.

Your statement in the Comptes rendus: see letter 1776, n. 3.

My wife and children: Magnus married Bertha Humblot in 1840, and they had one son and two daughters.

Please cite as “Tyndall1771,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on 5 June 2025, https://epsilon.ac.uk/view/tyndall/letters/Tyndall1771