From Hermann Helmholtz   10 Mai | 1862

Heidelberg. 10 Mai | 1862

Verehrter Freund,

betreffs Ihrer Anfrage über J.R. Mayer’s Schriften entnehme ich folgende aus Poggendorff’s biographischem Handwörterbuch

1). Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur. Liebig’s u. Wöhler’s Annalen der Chemie Bd. XLII 1842.—Darin sind die Hauptideen erörtert, weitläuftiger

2). Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel. Heilbronn 1845.

3). Beiträge zur Dynamik des Himmels ; ebenda 1848 (kenne ich nicht)

4) Bemerkungen über das mechanische Äquivalent der Wärme Heilbronn. 1851. (Besitze ich selbst, enthält den wesentlichen Inhalt der früheren Schriften.) Weiter ist mir auch nicht bekannt geworden. Die Bemerkung in Poggendorff’s Wörterbuch, daß Mayer im Irrenhause gestorben sei, ist unrichtig, er ist wieder geheilt, und lebt in Heilbronn, wo er sich hauptsächlich mit Weinbau beschäftigen soll, da seine ärztliche Praxis durch die Erinnerung an seine Geisteskrankheit sehr gestört ist.

Das mechanische Äquivalent der Wärme hat er berechnet, aber allerdings nicht auf einem gegen Einwürfe ganz gesicherten Wege. Er hat es nämlich berechnet aus der Erwärmung comprimirter Gase (Schallgeschwindigkeit) unter der Voraussetzung, daß alle Arbeit, die auf die Verdichtung verwendet sei, als Wärme erscheine. Diese letztere Annahme hat sich allerdings als nahehin richtig bewährt; sie schloß aber zu jener Zeit immer noch eine zweite Hypothese ein. Die Berechnung ist schon in seinem ersten Aufsatze enthalten, und giebt 365 Meter für 1˚C.

Für Ihre Absicht nach dem Myographion auf der Industrieausstellung zu sehen, sage ich Ihnen meinen Dank. Fessel’s Instrumente pflegen außerordentlich sauber gearbeitet zu sein, und er ist gleichzeitig sehr intelligent, in dieser Beziehung einer der ersten Mechaniker Deutschlands, so daß ich ihm wohl einige Beachtung wünschte.

Kirchhof und Bunsen werden im Anfang August nach London kommen; ersterer im Auftrag der Badischen Regierung.

Ich hoffe, daß wenn Sie einmal wieder nach den Alpen gehen, Sie einen Halt in Heidelberg machen. Übrigens ist es von Ihnen ein sehr dankenswerthes Unternehmen, daß Sie die mechanische Wärmetheorie populär zu bearbeiten beabsichtigen. Die bisherigen Schriften über diesen Gegenstand sind alle noch zu abstract für die größere Zahl der Leute, welche Physik studiren, und Sie wissen solche Aufgaben meisterhaft zu lösen.

Mit freundlichen Grüßen | Ihr H. Helmholtz

Heidelberg. 10 May | 1862

Dear friend,

Regarding your request about J.R. Mayer’s works, I take the following from Poggendorff’s biographical dictionary1

1). Remarks on the forces of inanimate nature. Liebig’s u. Wöhler’s Annals of Chemistry Vol. XLII 1842.2—Here the main ideas are discussed more broadly

2). Organic movement in its relation to metabolism. Heilbronn 1845.3

3). Contributions to celestial dynamics; Ibid 18484 (do not know it)

4) Remarks on the mechanical equivalent of heat, Heilbronn. 1851.5 (I have it myself, it contains the essential contents of the previous works.) I do not know anything further. The remark in Poggendorff’s dictionary that Mayer died in the lunatic asylum is incorrect, he is cured and lives in Heilbronn6 where he allegedly keeps himself busy with viniculture, as his medical practice is quite damaged by the memory of his mental illness.

He calculated the mechanical equivalent of heat but not in a way that is not quite secure against objections. As a matter of fact, he allegedly calculated it from the heating of compressed gases (speed of sound) under the assumption that all work performed during compression transforms into heat. This latter assumption proved to be approximately true; but at the time it always included still a second hypothesis. The calculation is already contained in his first article and gives 365 metres for 1˚C.

I thank you for your intention to look after the myographion at the Exposition of Industry.7 Fessel’s instruments tend to be to be extraordinarily well manufactured; at the same time, he is also very intelligent and, in this sense, one of the best mechanics in Germany, so that I would wish that he receive some notice.

Kirchhof and Bunsen are coming to London at the beginning of August; the former on behalf of the government of Baden.8

I hope that you will stop in Heidelberg the next time you go to the Alps. Incidentally, your intention to popularise the mechanical theory of heat is a very laudable undertaking. Previous works on this subject are all still too abstract for the greater number of people who study physics and you know how to solve such tasks in a masterly fashion.

With kind regards | your H. Helmholtz

RI MS JT/1/H/41

Poggendorff’s biographical dictionary: Poggendorff, J. C. Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften enthaltend Nachweisungen über Lebensverhältnisse und Leistungen von Mathematikern, Astronomen, Physikern, Chemikern, Mineralogen, Geologen usw. aller Völker und Zeiten, 2 vols. (Leipzig, Germany: J. A. Barth, 1863).

1842: J. Mayer, ‘Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur’, Annalen der Chemie und Pharmacie, 42 (1842), pp. 233–40.

1845: J. Mayer, Die Organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel (Heilbronn: C. Drechsler’schen Buchhandlung, 1845).

1848: J. Mayer, Beiträge zur Dynamik des Himmels (Heilbronn: C. Drechsler’schen Buchhandlung, 1848).

1851: J. Mayer, Bemerkungen über das Mechanische Äquivalent der Wärme (Heilbronn: Johann Ulrich Landherr, 1851).

Heilbronn: a city in the Kingdom of Württemberg (now incorporated in Baden-Württemberg, a state in southwest Germany).

look after the myographion at the Exposition of Industry: see letter 1892.

the government of Baden: refers to the Grand Duchy of Baden, a state that was part of the German Confederation.

Please cite as “Tyndall1893,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on 5 June 2025, https://epsilon.ac.uk/view/tyndall/letters/Tyndall1893