From Rudolf Clausius   15/5/62

Zürich, 17/5/62

Lieber Tyndall,

Das erste, was Mayer über die Verwandlung von Wärme in Arbeit geschrieben hat, ist eine Abhandlung in den Annalen der Chemie und Pharmacie von Wöhler und Liebig vom Jahre 1842, Band XLII Seite 233 bis 240. Diesen Aufsatz kann ich Ihnen nicht verschaffen, aber er wird Ihnen wohl andersweitig leicht zugänglich sein, und wahrscheinlich kennen Sie ihn schon.

Das zweite ist eine Brochüre von 112 Seiten vom Jahr 1845, „Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel“. Diese Brochüre habe ich vor einigen Tagen an Sie abgesandt und hoffentlich werden Sie dieselbe schon erhalten haben.

Die dritte ist im Brochüre von 1848 „Beiträge zur Dynamik des Himmels“. Diese schicke ich gleichzeitig mit diesem Briefe an Ihre Addresse ab.

Das vierte endlich ist eine Broshüre von 56 Seiten vomjahre 1851 „Bemerkungen über das mechanische Aequivalent der Wärme“. diese werde ich Ihnen in einigen Tagen auch schicken; ich möchte es nur schnell selbst noch erst lesen. Ich bitte Sie diese Broshüren zu behalten.

Nachdem ich die Broshüren von 1845 und 48 gelesen habe (welche mir früher nur dem Namen nach bekannt waren, indem ich nur die Abhandlung von 1842 wirklich gelesen hatte) muss ich das was ich in meinem vorigen Briefe geschrieben habe, dass Sie in Mayers Schriften nicht viel Bedeutendes finden würden, zurücknehmen. Ich bin erstaunt gewesen über die Menge schöner und richtiger Gedanken welche darin enthalten sind; auch ist seine Auffassung der mechanischen Principien viel klarer als ich nach der ersten Abhandlung von 1848 geglaubt hatte. Wahrscheinlich hat er sich in den Jahren von 1842 bis 1845 erst recht in die Sache hineingearbeitet. In der Schrift von 1845 finden sich eine Menge der Ideen, welche Helmholz in seinen Schriften „über die Erhaltung der Kraft“ und „über die Wechselwirkung der Naturkräfte“ ausgesprochen hat, und in der Schrift von 1848 findet sich mit grosser Vollständigkeit dieselbe Erklärung von der Sonnenwärme welche Thomson später gegeben hat. Ich glaube daher, dass Mayer viel mehr Anerkennung verdient, als er bis jetzt gefunden hat.

Sie werden in Poggendorfs „Biographish-literarischen Handwörterbuch“ die Notiz finden: „Mayer soll vor 1858 im Irrenhause gestorben sein“. Dieses ist, soviel ich weiss, unrichtig. Er ist allerdings im Irrenhause gewesen, aber ich habe gehört, dass er wieder geheilt und aus dem Irrenhause entlassen sei, und noch lebe. Ich werde versuchen einiges Nähere von seinem Leben zu erfahren da ich mich jetzt nach dem Lesen dieser Schriften für seine Person sehr interessire.

Mit herzlichen Grüssen | Ihr | Clausius

Zurich, 17/5/62

Dear Tyndall,

The first thing that Mayer wrote about the transformation of heat into work is a paper in the Annalen der Chemie und Pharmacie von Wöhler und Liebig in 1842, volume XLII page 233 to 240.1 I cannot procure this paper for you, but you will be able to find it easily elsewhere, and you probably know it already.

The second is a pamphlet of 112 pages from 1845, “Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel”.2 I sent this pamphlet to you a few days ago and hopefully you will already have received it.

The third is a pamphlet from 1848 “Beiträge zur Dynamik des Himmels”.3 I am sending it along with this letter to your address.

The fourth, finally, is a pamphlet of 56 pages from 1851 “Bemerkungen über das mechanische Aequivalent der Wärme”.4 I will send it to you in the next few days; I would like to read it through quickly myself first. I ask that you keep these pamphlets.

After reading the pamphlets from 1845 and 1848 (which I had previously known only by name, but had only actually read the paper of 1842) I must retract what I wrote in my previous letter that you would find little of significance in Mayer’s writings. I am amazed at the number of fine and correct ideas that they contain; his conception of mechanical principles is also much clearer than I had believed from the first paper of 1842. He probably did not immerse himself properly in the topic until the years 1842 to 1845. The paper of 1845 contains numerous ideas that Helmholtz expressed in his writings “über die Erhaltung der Kraft”5 and “über die Wechselwirkung der Naturkräfte”,6 and in the essay of 1848 one finds in great detail the same explanation of the sun’s heat that Thomson gave later. I believe for that reason that Mayer deserves much more recognition than he has received so far.

In Poggendorf’s “Biographish-literarischen Handwörterbuch”7 you will find the note “Mayer is said to have died in an insane asylum in 1858”. As far as I know, this is incorrect. He was indeed in an insane asylum, but I have heard that he was released from the asylum cured and is still alive. I will try to find out more about his life, since I have become very interested in his person after reading the writings.

With fond regards, | Your | Clausius

RI MS JT/1/TYP/7/2242–3

to 240: letter 1893, n. 2.

“ … dem Stoffwechsel”: letter 1893, n. 3.

“ … des Himmels”.: letter 1893, n. 4.

“ … der Wärme”.: letter 1893, n. 5.

“ … der Kraft”: Uber die Erhaltung der Kraft. Eine physikalische Abhandlung (Berlin: Georg Reimer, 1847).

der Naturkräfte: H. Helmholtz, Über die Wechselwirkung der Naturkräfte und die darauf bezüglichen neuesten Ermittelungen der Physik (Könisberg: Gräfe & Unzer, 1854).

Biographish-literarischen Handwörterbuch: The complete title is Biographisch-Literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der Exakten Wissenschaften.

Please cite as “Tyndall1896,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on 5 June 2025, https://epsilon.ac.uk/view/tyndall/letters/Tyndall1896