From Johann Poggendorff   24 Mai 62

Berlin 24 Mai 62.

Mein lieber Tyndall!

Längst war es meine Absicht, an Sie zu schreiben, als ich vorgestern Ihren lieben Brief vom 19' erhielt, der mir in doppelter Hinsicht die Verpflichtung auferlegt, mit der Ausführung meines Vorsatzes nicht länger zu zögern.

Zunächst was Ihre Abhandlung betrifft, so kann ich Ihnen sagen, daß ich dieselbe in mehreren Portionen successive erhalten habe u. daß ein Theil derselben, §1 bis §7 incl., vom Dr. Becker übersetzt, bereits im Heft V gedruckt ist.

Ich würde die Abhandlung vollständig in dasselbe Heft aufgenommen haben, wenn ich sie ganz gehabt hätte. So aber schien es mir besser, eine Theilung [an] derselben vorzunehmen. —Die 2' Hälfte welche die Überschrift führt: On dynamic radiation and absorption würde nun in Heft VI kommen müssen, aber dem stellen sich zwei Hindernisse entgegen, welche ich Sie bitte bald möglichst aus dem Wege zu räumen.

Erstens schließt die Letzte Portion des Manuscripts nicht an die vorletzte<.>

Die vorletzte endet mit pag. 39, womit auch §9 schließt. —Die letzte Portion dagegen beginnt mit pag. 42, mitten in einem Satze mit dem Worte: accomplished [in] comparison with the air etc. —Es ist also klar, daß pag. 40 u. 41 fehlen!

Zweitens geht die letzte Portion bis pag. 47 (wovon der größere Theil worin auch Magnus genannt wird, wieder ausgestrichen ist)—ohne daß gesagt ist, daß damit die ganze Abhandlung geschlossen sey! —Auch darüber müsste ich schleunigst von Ihnen Nachricht erhalten, ehe ich die zweite Hälfte drucken lassen kann.

Könnten Sie die fehlenden pp. 40 u. 41 nicht ersetzen, ohne Ansicht der pp. 39 u. 42, so würde ich Ihnen diese zuschicken

Was Magnus betrifft, so können Sie ruhig seyn; er ist weit entfernt davon seinen Streit mit Ihnen persönlich zu nehmen. Er wird sich in der Sache mit der Zeit rechtfertigen, ohne Ihrer Person irgend etwas nachzutragen. Er ist übrigens noch jetzt vollkommen von der Richtigkeit seiner Resultate überzeugt, er wird Ihnen selbst noch darüber schreiben. —

Da Sie sich für meine Reise nach London so lebhaft interessiren und sogar so liebenswürdig sind, mir ein Zimmer anzubieten, so muß ich Ihnen wohl ausführlicher schreiben, wie es mit meinem Plane steht. Ich denke noch immer an diese Reise, obwohl ich manchmal as an old man etwas Furcht bekomme, ob ich noch Kräfte genug habe für das Getreibe und Getöse der großen Weltstadt,—zumal erst kürzlich Dove geschrieben hat, auch er fühle, daß er für London schon zu alt sey.

Indeß werde ich es wagen, denn wenn ich nicht in diesem Jahre nach England komme, werde ich es wohl nie wiedersehen. —Ich kann aber, wegen meiner Vorlesungen, nicht früher kommen als in den ersten Tagen des Augusts und zweitens werde ich nicht allein kommen sondern mit meiner Tochter die großen Verlangen hat, London kennen zu lernen.

Diese beiden Umstände gestatten nun leider nicht, daß ich von Ihrem gütigen Anerbieten Gebrauch machen kann; ich hoffe indeß, daß ich darum doch nicht das Vergnügen entbehren werde, Sie zu sehen, – denn vielleicht sind Sie anfangs August schon zurück gekehrt von Ihrer Reise.

Einen großen Dienst würden Sie mir erweisen, wenn Sie mir in einem passend gelegenen Boarding House zwei Zimmer verschaffen könnten; ich mache keine Ansprüche auf Eleganz, wenn sie nur so anständig sind, dass ich mit meiner Tochter darin wohnen kann,—und nicht zu übertrieben theuer. —Vielleicht ist Freund Francis bis dahin von seiner tyroler Reise zurück gekehrt; er würde gewiß (wie auch seine Schwester, die meine Töchter so gut kennt) gern behülflich seyn, meinen Wunsch erfüllen zu helfen.

Schreiben Sie mir gefälligst, was ich in dieser Beziehung zu hoffen habe, u. seyen Sie versichert, daß ich, wenn ich allein käme, Ihr gütiges Anerbieten mit dem größten Dank angenommen haben würde.

Mit schönsten Grüßen von meiner Frau

ganz | der Ihre | Poggendorff.

Berlin 24 May 62.

My dear Tyndall!

It had long been my intention to write you, when the day before yesterday I received your kind letter from the 19th,1 which obliges me, in a double sense, to hesitate no longer with the execution of my resolution.

First, concerning your paper,2 I can tell you that I received it successively in several portions and that a part of it, from §1 to §7 incl., has been translated by Dr. Becker3 and printed in issue V.4

I would have included the complete paper in the same issue, had I received all of it. But in this way, I found it better to divide it. —The 2nd half, which carries the title On dynamic radiation and absorption would now have to go into issue VI,5 but there are two obstacles that I ask you to clear out of the way as soon as possible.

Firstly, the last portion of the manuscript does not connect to the penultimate one.

The penultimate one ends on pag. 39, which also closes §9. —The last portion, on the contrary, starts with pag. 42, halfway into a sentence with the words: accomplished in comparison with the air etc. —It is therefore clear that pag. 40 and 41 are missing!

Secondly, the last portion goes until pag. 47 (the largest part of which, where Magnus is also mentioned, has been crossed out)—without any mention that the whole paper ends there! —About this matter also I should obtain a note from you without delay before I can send the second half to print.

In case you cannot replace the missing pp. 40 and 41 without seeing pp. 39 and 42, I would send them to you.

Concerning Magnus, you do not need to worry; he is far from taking the dispute with you personally. He will justify himself in the matter in due time, without holding a grudge against you. By the way, he is still completely convinced about the correctness of his results, he will write you about this himself. —

As you take such a lively interest in my trip to London and even were so kind as to offer me a room, I have to tell you in greater detail how my plans stand. I am still thinking about this journey, although as an old man, I sometimes wonder if I still have strength for the turmoil and the noise of the big metropolis,—especially after Dove6 recently wrote that he also already feels too old for London.

I will risk it nonetheless, since if I do not come to England this year, I will likely never see it again. —However, due to my lectures I cannot come before the first days of August and secondly, I will not come alone but with my daughter, who has a great desire to get to know London.

Unfortunately, these two circumstances do not allow me to take advantage of your kind offer; I nevertheless hope that I will not be deprived of the pleasure of seeing you,—as you might already have returned from your journey at the beginning of August.

You would do me a great service if you could procure me two rooms in a conveniently-located boarding house; I have no demands about elegance if they are respectable enough that I can stay there with my daughter,—and not too exaggeratedly expensive. —Perhaps friend Francis7 will be back from his trip to Tyrol; he would certainly (as much as his sister, who knows my daughters so well) gladly help to make my wish come true.

Be so kind to write to me on occasion what I can hope in this respect and rest assured that if I came alone, I would have accepted your kind offer with the greatest thanks.

With the kindest regards from my wife

entirely | Your | Poggendorff.

RI MS JT/1/P/131

Your letter of the 19th: letter missing.

concerning your paper: Tyndall (1862).

Dr Becker: The most likely contender is the chemist and photographer Dr. Ernst Becker (1826–88), Secretary and Librarian to Prince Albert from c. 1852–58.

printed in issue V: J. Tyndall, ‘Ueber Strahlung und Absorption der Wärme durch gasförmige Materie’, Poggen. Annal., 116 (5) (1862), pp. 1–26.

into issue VI: J. Tyndall, ‘Ueber die Strahlung und Absorption der Wärme durch gasförmige Materie’, Poggen. Annal., 116 (6) (1862), pp. 289–307.

Dove recently wrote: Heinrich Wilhelm Dove (1803–79), German physicist.

Friend Francis: William Francis.

Please cite as “Tyndall1900,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on 5 June 2025, https://epsilon.ac.uk/view/tyndall/letters/Tyndall1900