Zürich 15. Juni 62
Lieber Tyndall!
Ich habe mich sehr gefreut in Ihrem letzten lieben Briefe zu lesen, dass Sie nach der Schweiz kommen, und ich beeile mich Ihnen bevor Sie einen anderen Reiseplan machen, zu schreiben, dass Sie dann jedenfalls zu uns nach Zürich kommen müssen. Wir wohnen hier in einer Vorstadt die noch ganz ländlich ist, wo man schöne frische Luft, und die Aussicht auf den See und in die Berge hat. Da wollen wir Ihnen ein Zimmer welches wir sehr gut entbehren können, einräumen, und dann können Sie ganz nach Ihrer Bequemlichkeit leben. Sie sind bei uns als Mitglied der Familie, und wenn Sie einmal allein sein und Ruhe haben wollen, so können Sie sich in Ihr Zummer zurückziehen. Ferner können Sie von hier aus kleinere und grössere Excursionen machen, indem die nächste Umgebung sehr schön ist, und viele besuchungswerthe Puncte hat, und man von Zürich auch alle übrigen Theile der Schweiz leicht erreichen kann. Meine Frau, der ich schon viel von Ihnen erzählt habe, freut sich auch sehr darauf, Sie kennen zu lernen, und lässt Sie ebenfalls frendlich einladen, einige Zeit bei uns zuzubringen, um sich hier von Ihren Arbeiten zu erholen. Ich werde dann während der Zeit meine Vorlesungen im Polytechnicum wie gewöhlich halten, und meine laufenden Geschäfte abmachen, und in der Zeit die mir dann übrig bleibt, können wir zusammen sein, und können vielleicht manche Excursionen machen. Auch Mousson, Escher, und die anderen Mitglieder der naturforschenden Gesellschaft werden sich sehr freuen, wenn Sie herkommen.
Sie müssen von der Eisenbahn aus gleich zu uns kommen. Unsere Wohnung ist: neun Plattenstrasse, das erste Haus in Hottingen. (Hottingen ist nämlich eine Vorstadt von Zürich, von welcher die Plattenstrasse nach einer anderen Vorstadt „Platte“ führt.)
Die Nachricht dass ich Poggendorff in London treffen werde, ist mir sehr angenehm gewesen. Ich werde mir dann eine Wohnung möglichst nahe bei der Ihrigen nehmen, damit wir oft zusammen sein können.
Dass Sie schon einen Vortrag über Mayer’s Arbeiten gehalten haben hat mich sehr überrascht, und ich habe auch darin Ihre Arbeitskraft bewundert. Ich habe mir vorgenommen einmal an Mayer zu schreiben, und werde ihm das dann auch mittheilen. Er wird sich gewiss sehr darüber freuen und verdient solche Anerkennung auch.
Mit herzlichen Grüssen von meiner Frau und mir, und in der festen Hoffnung dass Sie unsere Bitte erfüllen,
Ihr | Clausius
Zurich 15 June 62
Dear Tyndall!
I was very pleased to read in your last dear letter1 that you are coming to Switzerland, and I hasten to write to you before you make other travel plans, that you must by all means come to Zurich to us. We live here on the outskirts, which are still very rural, where one has fresh air and a view of the lake and the mountains. We will furnish you a room that we can easily do without, and where you can enjoy comfort and privacy. At our home you will be a member of the family, and if you want to be alone and have your peace, you can withdraw to your room. In addition, you can go on long and short excursions from here, as the area is very beautiful and has many sights worth visiting, and from Zurich you can easily reach all other parts of Switzerland. My wife,2 whom I have already told much about you, is very much looking forward to meeting you and extends her friendly invitation as well to spend some time here with us to recover from your exertions. During this time, I will be lecturing as usual at the Polytechnic Institute3 and taking care of my current business, and in my remaining time, we can be together and perhaps go on some excursions. Mousson,4 Escher5 and the other members of the Society of Natural Science6 will also be very pleased, if you come.
You must come directly from the train to us. Our house is: nine Plattenstrasse, the first house in Hottingen. (Hottingen is namely a neighbourhood on the outskirts of Zurich, the Plattenstrasse leads to another settlement, “Platte”.)
I am glad to learn that I will meet Poggendorff in London. I will take an apartment as close as possible to yours, so that we can meet often.
I was quite surprised that you have already given a lecture on Mayer’s work,7 and I admire your capacity for work. I intend to write to Mayer sometime and will let him know that. I am certain that he will be very pleased and deserves such recognition too.
With fond regards from my wife and I, and in the sincere hope that you will fulfill our request,
Your | Clausius
RI MS JT/1/TYP/7/2246–7
LT Typescript Only
your last dear letter: letter 1905.
My wife: Adelheid Clausius.
Polytechnic Institute: Polytechnic Institute of Zurich, where Clausius worked.
Mousson: Johann Rudolf Albert Mousson (1805–90), a Swiss physicist and malacologist (HLS).
Escher: Arnold Escher von der Linth.
Society of Natural Science: the Naturforschende Gesellschaft in Zürich was a Swiss scientific society founded in 1746 to promote the study of the natural sciences, of which Tyndall had been recently elected an Honorary Member in 1858. See ‘Verzeichniss der Mitglieder der naturforschenden Gesellschaft in Zürich’, Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 4 (1859), p. 4.
a lecture on Mayer’s work: see letter 1905, n. 3.
Please cite as “Tyndall1906,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on