Berlin 28 April 63
Verehrter Freund
Vor einigen Tagen von Paris zurückgekehrt fand ich Ihren freundlichen Brief vom 20 v. M. so wie Ihr Werk on Heat. Entschuldigen Sie daß ich Ihnen für beides nicht früher gedankt habe. Gestern habe ich nun auch die officielle Anzeige, daß mich die R. Society zum Foreign Member erwählt hat, durch Prof. Miller erhalten. Ich gestehe daß ich die Ehre sehr hoch veranschlage, und daß ich Ihnen für Ihre Bemühungen in dieser Sache ganz besonders verbunden bin. Ich werde in den nächsten Tagen meinen Dank an Prof. Miller senden, der sein officielles Schreiben noch mit einigen sehr herzlichen Worten begleitet hat für die ich ihm noch besonders dankbar bin.
Meine Reise nach Paris ist sehr plötzlich zu Stande gekommen, da Prof. Riess sich unerwartet entschloß mich zu begleiten, was die schnelle Entscheidung herbeiführte. Ich hegte im Stillen die Hoffnung Sie in Paris zu finden, und wäre unsere Abreise weniger unvorbereitet erfolgt, so würde ich Sie aufgefordert haben dorthin zu kommen, um, ähnlich wie vor 10 Jahren, in Ihrer Gesellschaft einige Zeit dort zuzubringen. Wir hätten dann auch über unsere wissenschaftliche Differenz plaudern können. Ich habe mich während des vergangenen Winters noch mit dieser Sache beschäftigt. Der Versuch ohne Steinsalzplatten, den sie so gut waren mir zu zeigen, und den Sie in Ihrer Abhandlung beschrieben haben, war so wenig in Uebereinstimmung mit dem was ich gefunden, daß ich glaubte ihn wiederholen zu müssen. Ich habe ähnliche Ausschläge erhalten wie Sie; aber ich habe niemals eine größere Erwärmung gefunden wenn trockne Luft durch die Röhre ging, sondern stets mit feuchter. Ich habe mich dann überzeugt daß die Luft aus der Röhre bis zur Säule sich bewegt, und daß dadurch der Ausschlag des Galvanometers hervorgebracht wird; ohne Zweifel indem aus der feuchten Luft der Wasserdampf absorbirt wird und Wärme frei wird, dagegen bei Anwendung von trockner Luft, die auf der Säule vorhandene Feuchtigkeit verdunstet. Was besonders beweist daß die Diathermansie nichts mit der Sache zu thun hat, ist der Umstand daß derselbe Erfolg eintritt wenn man die Wärmequellen ganz fortläßt, und daß der Ausschlag des Galvanometers außerordentlich groß wird, wenn man die Luft direkt in den Reflector der Säule bläst.
Ich habe zwar in der kleinen Note die ich in der Academie gelesen, meine Methode gegen den Tadel verwahren müssen den Sie dagegen ausgesprochen haben, allein Sie werden finden daß alles vollkommen sachlich gehalten ist. So bald die Note gedruckt ist, was nun wohl, nachdem ich zurück bin, bald geschehn sein wird, so theile ich Ihnen dieselbe mit.
Ihr dankbar ergebener | G Magnus.
Meine Frau, Tochter und Paul lassen vielmals grüssen.
Berlin 28 April 63
Cherished friend
Returned from Paris a few days ago, I found your kind letter of the 20th1 of last month as well as your work on Heat.2 Please excuse me that I did not thank you earlier for either. Yesterday I also finally received, through Prof. Miller,3 the official announcement that the R. Society4 had elected me as a Foreign Member.5 I confess that I estimate this honour very highly and that I am especially indebted to you for your efforts in this matter. In the next days I will write my thanks to Prof. Miller, who added some very kind words to the official note for which I am especially grateful.
My journey to Paris came about very suddenly, as Prof. Riess6 unexpectedly decided to accompany me, which led to the quick decision. I privately hoped to meet you in Paris, and if our departure had not happened with such little preparation, I would have asked you to go there so that I could spend some time in your company, as 10 years ago. We could have also chatted about our scientific differences. During the last winter, I kept working on that subject. The experiment without rock salt plates, which you were good enough to show me and which you described in your article, agreed so little with my findings that I thought I had to repeat it. I obtained deflections similar to yours; but I never found a greater temperature increase when dry air flowed through the tube; but always with moist air. I then assured myself that the air from the tube moved up to the column and that this caused the deflection of the galvanometer, doubtless because steam from the moist air is absorbed and heat is released. On the contrary, when using dry air, the moisture present in the column evaporates. The proof that diathermancy plays no role is that one obtains the same result even if one omits altogether the sources of heat and that the deflection in the galvanometer is especially strong when the air blows directly into the reflector of the column.
Although I had to defend my method against your objections in the short note that I read in the Academy,7 you will find that everything is dealt with entirely objectively. I will inform you as soon as the note is printed, which now that I have returned should happen soon.
Your gratefully devoted | G Magnus.
My wife, daughter and Paul send you their greetings.
RI MS JT/1/M/29
your kind letter of the 20th: letter missing.
your work on Heat: Heat as a Mode of Motion.
Prof. Miller: see letter 1943, n. 3.
R. Society: the RS.
elected me as a Foreign Member: see ‘Anniversary Meeting’, Roy. Soc. Proc., 12 (1863), p. 22.
Prof. Riess: Peter Theophil-Pierre Riess (1804–83), a German physicist known for his work in electrical physics, particularly friction electricity, but also in the field of electromagnetic induction (ADB).
the Academy: the Royal Prussian Academy of Sciences (Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften), or ‛Berlin Academy’, founded in 1700. See also letter 2017.
Please cite as “Tyndall2000,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on