Zürich, 19. Sept. 63
Lieber Tyndall!
Ich muss mich grosser Nachlässigkeit anklagen, dass ich Ihren letzten freundlichen Brief so lange unbeantwortet gelassen habe, besonders wegen der darin enthaltenen Aufforderung, Seguin’s „Sur l’Influence des chemins de fer“ anzusehen. Der Grund weshalb ich Ihnen darüber nicht geschrieben habe, lag nur darin, dass ich mir das Werk hier nicht beschaffen konnte. Ich glaube, Sie haben sehr gut daran gethan, die betreffende Stelle von Verdet im Phil-Mag. abdrucken zu lassen, denn Verdet ist der Mann, dem man die beste Kenntniss der französischen Autoren und ausserdem das grosste Wohlwollen für dieselben zutrauen kann. Was Ihren Streit mit Thomson und Tait anbetrifft, so habe ich freilich, wie ich offen gestehen muss, Ihren Artikel im Phil.Mag. etwas scharf gefunden, aber die Art, wie die beiden Herrn darauf geantwortet haben, hat mir durchaus missfallen, besonders das Benehmen von Thomson, der Sie erst angegriffen hat, und dann, da Sie sich gegen den Angriff vertheidigen, sich vornehm von dem Streite fern zu halten sucht. Ein solches Benehmen finde auch ich unmännlich, und es wird gewiss auch von Anderen nicht gebilligt. Ich habe mit Interesse gehört dass Sie in diesem Herbste wieder der Session der Brit. Assoc. beigewohnt haben, und dass auch Mayer dort gewesen ist, und ich bin gespannt darauf, zu erfahren ob dort ein Zusammentreffen mit Thomson, Joule u. anderen bei dieser Sache interessirten Personen stattgefunden hat.
Mit Erstaunen hörte ich in diesem Sommer von Hofmann dass Sie in der Schweiz sein, wovon ich gar nichts gewusst hatte, und noch mehr war ich überrascht, in Samaden Hirst zu treffen, und zu erfahren, dass Sie beabsichtigt hatten, auch dorthin zu kommen. Sie glauben nicht, wie sehr ich es bedauert haben, dass Sie diesen Plan nicht ausgeführt haben, und wie sehr ich mich gefreut haben würde, dort mit Ihnen zusammenzutreffen. Wir haben dort einige sehr angenehme Tage verlebt, wobei ich besonders mit Hirst und einen anderen Freunde, einem Mathematiker Dedekind zusammen war. Im nächsten Jahre wird die schweizerische naturforschende Gesellschaft ihre Sitzung in Zürich halten, und ich hoffe dass Sie und Hirst ihr dann beiwohnen werden, und in dieser Hoffnung möchte ich Sie schon jetzt einladen, dann mit Hirst bei uns zu logieren, womit Sie meiner Frau und mir einen grosse Freude machen werden.
Vor einigen Tagen habe ich auch dass Vergnügen gehabt Ihren Collegen Frankland kennen zu lernen, der mir sehr gefallen hat.
Mit herzlichen Grüssen an Sie und Hirst,
Ihr
Clausius
Zurich, 19. Sept. 63
Dear Tyndall,
I must charge myself with great negligence that I have left your last friendly letter2 unanswered for so long, most especially because of the request it contained to have a look at Seguin’s “Sur l’influence des chemins de fer”.3 The reason I did not write to you was simply because I could not get hold of that work here. I think you have done very well in having the relevant passage from Verdet published in the Phil Mag,4 since Verdet is the man who can be trusted to have the best knowledge of French authors and in addition the greatest goodwill for them. In regard to your dispute with Thomson and Tait, to be free, I must admit that I found your essay in the Phil Mag somewhat harsh, but the manner in which both gentlemen answered it5 completely displeased me, especially the way Thomson behaved, first attacking you and then, since you are defending yourself against the attack, trying to aristocratically distance himself from the dispute. I find such a behavior unmanly and it will certainly not be condoned by others. I was interested to hear that you attended the meeting of the Brit Assoc6 again this year and that Mayer was also there, and I am curious to hear whether a meeting took place with Thomson, Joule and other persons interested in the matter.
I was surprised to hear from Hofmann7 this summer that you were in Switzerland, which I had not known at all, and I was even more surprised to meet Hirst in Samaden8 and to hear that you intended to come there as well. You will not believe how much I regretted that you did not carry out these plans and how much I would have enjoyed meeting you there. We spent some very pleasant days there, whereby I spent time particularly with Hirst and another friend, a mathematician Dedekind.9 Next year the Society of Natural Science10 will hold its meeting in Zurich, and I hope that you and Hirst will attend, and it is with this hope that I would like to invite you and Hirst now to lodge with us, which would make my wife11 and myself very happy.
A few days ago I had the pleasure of meeting your colleague Frankland, who I liked very much.
With best regards to you and Hirst,
Your Clausius
RI MS JT/1/TYP/7/2259–60
LT Typescript Only
[19th September 1863]: date suggested by LT.
your last friendly letter: letter 2006.
Seguin’s “Sur l’influence des chemins de fer”: see letter 1990, n. 1.
published in the Phil Mag: see letter 2002.
answered it: P. G. Tait, ‘On the Conservation of Energy’ (letter to David Brewster), Phil. Mag., 25 (1863), pp. 429–31; and W, Thomson, ‘Note on Professor Tyndall’s “Remarks on the Dynamical Theory of Heat”’, Phil. Mag., 25 (1863), p. 429.
meeting of the Brit Assoc: see letter 2024, n. 3.
Hofmann: August Wilhelm von Hofmann (1818–92), a German chemist and co-founder of the German Chemical Society (ADB).
Samaden: see letter 2028, n. 3.
Dedekind: see letter 2028, n. 13.
Society of Natural Science: see letter 1906, n. 6.
my wife: Adelheid Clausius.
Please cite as “Tyndall2035,” in Ɛpsilon: The John Tyndall Collection accessed on