From Iwanne Müller1    10 August 1840

Tönninger Fähre 10. August 1840.

Mein lieber Ferdinand! —

In Erwartung dass Häsler kommen wird mache ich den Brief fertig, und will Dir gleich im Anfang eine recht erfreuliche Nachricht mittheilen. Freitag vor 8 Tagen hat uns Fortuna im Vogelschiessen die Königin ins Haus geführt. Ernst Mertens das Glückskind schoss erst den Schwanz und nachher den ganzen Rumpf von der Stange, und Clara war die Königin beide waren so vergnügt, sie sprangen den ganzen Tag herum, und haben auf dem Ball den letzten Tanz mitgemacht. den ersten mussten sie ganz allein tanzen. wirklich ein wichtiges Königspaar Ernst 7 und Clara 6 Jahre alt. Wenn Mutter das doch gewusst hätte, die hätte sich gewiss schrecklich dazu gefreut. —

Eigentlich hätte ich schon eher schreiben müssen, aber da Oncel und die Cousinen nicht lange mehr hier bleiben wollten, so hab ich die Zeit in ihrer Gesellschaft zugebracht. Donnerstag sind sie mit einer Helgolander Golle von hier abgefahren und heute Morgen um 7 fährt ein Dampfschiff von Helgoland nach Hamburg worauf sie sich begeben werden, und von Hamburg wollen sie noch andere Verwandten auf 14 Tage besuchen. Es kommt uns jetzt ordentlich still vor, denn lebhaft waren sie alle drei. — Ferner kann ich dir noch mittheilen aus einem Brief von Madame Lund den ich vor kurzem erhielt "das Agnes Fischer Hr Stellerbeck in ihre Netze gefangen, und ihn zu ihrem Bräutigam auserwählt hat. Sie sei überglücklich".

Nun lieber Bruder rückt das Pferdemark auch her, vor Mittwoch über 8 Tage haben wir es hier. Oncel sagte gestern zu mir ich möchte Dir schreiben, dass er keine Zeit hätte Dich mit unserm Wagen zu holen, du möchtest also Hr Becker dem Contracte zufolge sagen, dass Oncel wünschte Du kämest folgenden Montag mit Häsler hierher, wir freuen uns schon alle recht dazu, Dich auf längere Zeit wiederzusehn. —

Oncel ist jetzt bei der Rabsenferndte2 begriffen, seine Zeit ist daher sehr beschränkt. — Denk Dir lieber Ferdinand kein Haarbreit hätte gefehlt, und Oncel wäre zu Tode gekommen, ein Bullochse in Dithmarschen hat ihn unter gehabt, und er befindet sich jetzt so schlecht, alle Glieder thun ihn weh, so dass er heute das Bett hüten muss. — Unser Dampfschiff fährt jetzt auf einmal wieder so plötzlich wie es weggeblieben, ist es auch wiedergekommen. Für uns ist es ein grosser Werth dass es hier ist, indem keine Brücke ist, und wir alles fahren was dahin soll. — Frau Consulin ist von ihrer Reise noch nicht wieder zurück und sie haben jetzt eine Wirthschaftsmamsell erhalten ein sehr nettes Mädchen. — Kaufmann Haacks Mamsell habe ich auch kennen gelernt. — Lieber Bruder, du hast wohl zwei paar weisse wollene Strümpfe bringe die Montag mit, wenn du es denn willst, kannst du sie mit unsern Strümpfen grau gefärbt kriegen, denn weiss sieht doch gar zu schlecht aus. Denk Dir den Tag darauf wie Du meinen Brief erhielst worin ich schrieb das Hr Cap. Suensen bedenklich krank wäre ist er schon gestorben, nun können wir über unsere 7 Mark 8 Schilling auch einen Strich machen. — Bei Schlachter Detlefsen ist ein neues Comptoir errichtet Jansen und Lascow die künftigen Schwäger haben sich beide etablirt, und Jansen wird Demoisel Lascow auch wohl bald heirathen. — Nun lieber Ferdinand wollen wir das andere mündlich besprechen Nun Adieu, lebe bis dahin recht wohl, sei herzlich gegrüsst von uns allen, und sei versichert dass sich auf Deine Ankunft herzlich freut

Deine

Dich liebende Schwester

Iwanne Müller.

 
 
 

Tönning Ferry, 10 August 1840.

My dear Ferdinand,

While waiting for Häsler3 to come I am getting the letter ready, and right at the beginning I want to tell you some quite enjoyable news. Friday a week ago at the popinjay shoot Lady Luck led the Queen into our home. Ernst Mertens, the lucky child, first shot the tail and later the whole rump from the pole, and Clara was the queen. Both were so gay, they skipped around all day, and at the ball they joined in the last dance. The first one they had to dance all on their own, truly an impressive royal couple — Ernst 7 and Clara 6 years old. If only mother could have known about this, I am sure she would have been terribly pleased.

I really should have written to you sooner, but as Uncle4 and the cousins did not want to remain here very much longer, I spent the time in their company. They left here on Thursday with a Helgoland boat, and this morning at 7 a steamboat goes from Helgoland to Hamburg, on which they will go, and from Hamburg they want to visit other relatives. The place seems rather quiet now, as all three of them were pretty lively.

I can tell you further from a letter I received recently from Madam Lund 'that Agnes Fischer has caught Mr. Stellerbeck in her nets, and has chosen him to be her bridegroom. She is overjoyed'.

And now, dear brother, the horse market is drawing near, by Wednesday week we have it here. Uncle said to me yesterday, that I should write to you that he will have no time to pick you up with our wagon, you should therefore tell Mr Becker5 in accordance with your contract, that Uncle wishes you to come here with Häsler on the following Monday. We are all happy in anticipation of seeing you again for a longer period.

Uncle6 is now in the middle of the rape harvest and has therefore little time. — Just imagine, dear Ferdinand, not a hair's breadth and Uncle would have been killed. A bullock in Dithmarschen had him down, and now he feels so poorly, all his limbs are aching, and he had to stay in bed today.

Our steamer has suddenly started going again, it returned as abruptly as it stopped away. It means a lot to us to have it back, as there is no bridge and we have to drive everything that has to go there. — The Consul's wife7 has not yet returned from her journey and they have got a housekeeper now, a very nice girl. I have also met grocer Haack's housekeeper.

Dear brother, I think you have two pairs of white woollen stockings, bring them along on Monday, and if you want to, you can have them dyed grey with our stockings, because white really does look too bad. Just imagine, the day after you got my letter in which I wrote that Captain Suensen was seriously ill, he had already died, now we can write off our 7 Mark 8 Schillings. They have erected a new office at butcher Detlefsen's, Jansen and Lascow, the future brothers-in-law, have established themselves well, and it looks as if Jansen will marry Miss Lascow soon.

Now, dear Ferdinand, we will talk about the rest in person. Now adieu, keep well until then, sincere greetings from us all, and be assured that the one looking happily forward to your arrival is

Your loving sister

Iwanne Müller.

MS envelope front: 'Hr. Ferdinand Müller | in | Husum | Frei.' [Prepaid.]
Rapsernte?
The coachman who operated the service between Tönning and Husum.
Not Johann Ferdinand Mertens but another, unidentified relative.
Benjamin Becker.
Johann Ferdinand Mertens.
Mrs Lexow, see also I. Müller to M, 25 April 1841.

Please cite as “FVM-40-08-10,” in Ɛpsilon: The Ferdinand von Mueller Collection accessed on 27 July 2021, https://epsilon.ac.uk/view/vonmueller/letters/40-08-10