From Johann Ferdinand Mertens1    28 August 1851

[Tönning, 28 August]2 1851

 

Du kannst Dir mal denken lieber Ferdinand wie ich zusammen fuhr als Lenchen mit Deinen Brief hereinfuhr "einen Brief von Müller aus Hamburg". nur zu bald verlohr sich diese angenehme Teuschung, da in Einlage nur von H. kam. Halb und halb habe ich es immer erwartet das wen es zum Trennen käme es sich sehr schwer machen wurde. selbst der Major Mertens billigte Deine Ansicht Australien zu verlassen nicht, indem weit entfernt die eigentlich Ruhe von diesen Gegenden ist, und von sehr vielen ganz verlassen wird welche sich irgend losreissen können. ich denke so oft an Euch. ich denke und weis von Deinen Briefen, das Ihr die Zeitungen aus unserer Gegend mit jeden Schiff erhaltet, daher was soll ich da lange über Politik und ähnliche Fratzen schreiben, thut man ja doch was man will, und gilt das Recht, selbst nur theilweise wo man es so zu seinen Zwecken braucht. Armseliges Recht, Deine verdreher wird gewis noch die nie ausbleibende Nemesis ereilen. Fast unrecht ist es aber von Euch in einem ganzen Jahre nicht an uns zu schreiben, und den Brief von welchen Ihr meldet ob er durch die dänische Kette gekommen sey. von dem wissen wir nichts. der ist der letzte, worin Du flüchtig den Entschluss zum kommen, und die Verbrennung Deiner brasielischen Sammlungen anzeichtest. im Herbst habe ich 2 Briefe über England an Euch abgesannt, im März-April d J3 eine mit einem Hamburger Schiff. von May an haben wir unablässig nach Deiner Ankunft ausgesehn um so mehr kein Brief von Euch eintraf, aus gleichen Grunde ist die Absendung der angefangenen Schreiben von Altona Aschersleben verblieben wir hofften von Woche zu Woche Nachricht bis wir nun Gewisheit haben Der Brief worin die Begebenheit mit Schädlich näher erzählt ist, haben wir auch nicht erhalten, daher wir noch nicht wissen, wodurch eigentlich die Sache zum Bruch kam. Lieb Lenchen wahr 1 Tag in Husum ich fuhr Sonntag hin sie wieder zuhohlen, und hauptsächlich Herr Becker Deinen Brief mitzutheilen, alle wunderten sich auch, indes ist die Hauptsache ganz unter uns und Klausur geblieben, er billigt indes Deinen Entschluss unter unsern trüben Verhältnissen ganz, und sagte er hätte es fast mir gewisheit erwartet das Du nicht kommen würdest, die Bürgschaft wenn Dr. Sonder ihm darum angeth wird er übernehmen, und bald wenn er es mir anzeigt will er die Sammlungen nach Husum nehmen, ich habe sie lieber Ferdinand an der vordern seite des obersten Boden im Fährhause stehn als die trockenste stelle welche ich im Hause kännte, doch nur eben ist die Kiste gerettet. da eine platzende Gran[a]te oder Bombe den Rücken des Fuhrhauses über die vordre Stube wegnahm, das Dach unten mehrfach durchschlügen, und noch ein Bombenstück ein Stein aus der Mauer nach unsern Hause trieb, die Kiste wurde nicht getroffen obgleich vom Gefecht auf dem Fährlande mehrere Kugeln durch das Fährhause durch drangen die Granat-Bomben wurden von unserm Hofe, den in Gefecht stehenden Dänen in die Flanke geschossen ich wahr in der Fährstube mir schien das Haus mir über den Kopf zusammen zu brechen bald nachher verliess auch ich das Haus wie die Jäger die Höhe in der Bucht mit Sturm nehmen wollten, wo das Fährland die biegung macht in dessen Winkel die Dänen nach und nach fechtend ihre ganze Macht zurück zogen und wo den durch ein Schrapnelschuss ihr Commodor Capt. Buhl zerrissen fiel, dieser Fall wie der Sturm entschied das Gefecht und nun wurde nicht Fährhaus und unser Haus mit dem Bajont genomen wie ich im letzten Augenblick erwarten musste, die Jäger stürmten gleichzeitig Lusthaus u. Fischerstrasse, und so gings im vollen Laufen zurück und nach kurzem Kampf auf Markt, Hochsteg u. Neuwegen wahr die Stadt genommen in dem noch 5-6 Tod u. verwundet fielen. Am folgenden Tage ward die Stadt Morgens wieder genommen, da keine verstärkung nachkam und dies unerklärbare Manöver endete, welches gehörig aufgefasst und versterkter ausgeführt sicher die verhängnisvolle Catastrophe von Friedrichstadt verhindert haben würde — so sind alle Menschlichen Ansichten Was man sonst denkt darf man nicht schreiben. es ist ja möglich das es durch Umstände in andere Hände käme. deren Folgen man nicht absehen könnte Du schreibst Ihr seid auf neue getheuscht u. von Freunden hintergangen. worauf bezieht sich dies, hast Du etwas mit Heuzenröder oder Fischer, Du schreibst uns überhaupt so wenig über Eure Verhältnisse das wir uns keinen Schluss davon zu ziehen vermogen, Deinem vornehmen die Ap: zu gründen kann ich nur beifall schenken und hoffe sie wird Euch Brod verschaffen aber wie hängt es dort mit dem Ap: wesen und wie ist das verhältnis mit den Artzten? wird der Artzt wovon Du schreibst auch dort in den neuen Orte wohnen? Ruhig und gesammelt theile uns über die neuen Verhältnisse etwas mit. zur Einrichtung hast Du auch wohl schon etwas von Dr. Sonder verschrieben gewis. kömme ich in einige Wochen nach Hamburg will ich zu ihm gehn. Lieber Clara wird ja auch bald 18 Jahr da sind nur noch drei Jahre nach wo Ihr das Geld erhalten konntet ich habe indes diese Tage noch gleich Schritte eingeleitet ob es nicht möchlich ist das Du es Umschlag erhalten könntest. Ich habe mich lieber Ferdinand zum Bürgern erboten das die Obervormundschaft nicht in verlegenheit kömmen kann, solte es mir glücken, so wurde dies für Dich eine grosse Hülfe seyn. da dort in wenig Jahren die Zinsen das Capital überhohlen. Gesetzt mir glükte das ich erhalte das Geld auf welche art, erhälst Du es am besten u. sicher durch mir, durch Dr. Sonder? durch Anweisung in Adelaide? durch eine Englische Bank Postbill? Beantworte mir diese Fragen, obgleich es hart halten soll das ich es los mache. Lebt wohl und bitte schreibt gleich wieder.

Euer Euch liebender Onkel

J. F. Mertens.

 
 
 

[Tönning, 28 August]4 1851

 

You can imagine, dear Ferdinand, how I jumped, when Lenchen5 came rushing in with "a letter from Müller from Hamburg"! Only too soon this pleasant delusion evaporated, because it only came as an enclosure from Hamburg.6 I had always more or less expected that when the time came for parting it would not be easy. Even Major Mertens did not approve of your intention to leave Australia, because real peace is far distant from this area, and many are leaving if they can possibly tear themselves away. I think so often of you and know from your letters that you get the newspapers from this area with every ship. So what is the point of writing a lot about politics and similar nonsense. They do as they like anyway, and the law is valid only in as far as they want to use it to serve their own purposes. Poor Justice, those pettyfogging twisters of yours will one day be overtaken by the never-failing Nemesis, I am sure.

But it is almost criminal of you not to write to us for a whole year. We know nothing of the letter about which you ask whether it got through the Danish blockade.7 Your last letter was the one of last autumn in which you remarked briefly on your decision to come, and in which you reported the loss by burning of your Brazilian collections.8 Around March-April9 I posted two letters to you by a ship from Hamburg. Since May we have been constantly on the look-out for your arrival, especially as there was no further letter from you. For the same reason we refrained from posting the letters we wrote from Altona and Aschersleben. From week to week we hoped for news from you. We did not get your letter either in which you gave details of what happened with Schädlich.10 So we still don't know how the break with him came about.

Dear Lenchen was in Husum for a day. I went there on Sunday to bring her back, and mainly to tell Mr Becker11 of the contents of your letter. They were all very surprised, too, but the main item remained completely between us and confidential. However, considering our gloomy situation, he completely endorsed your decision. He said he had almost expected it with certainty that you would not be coming back. He will stand guarantor, if Dr Sonder asks him to. As soon as he is ready he will let me know, and will take the collections to Husum.12 At present, dear Ferdinand, I have them stored on the front side of the top floor of the ferry house, as that is the driest place in the house that I know of. But the trunk escaped only just. An exploding grenade sheared off the back of the ferry house to above the front room, pierced the roof in several places, and a piece of the bomb catapulted a stone from the wall across to our house. The trunk was not hit, even though several cannonballs penetrated the ferry house during the fighting on the ferry grounds. The grenades and bombs were shot into the flank of the fighting Danes from our farm. I was in the ferry room when the house seemed to come down around my head. So I left the house soon afterwards, when the riflemen tried to take the hill in front by storm, there where the ferry grounds make the bend. The Danes had gradually pulled back under heavy fighting into the corner there. Here their Commander Capt. Buhl fell, torn apart by a shrapnell shell. His death together with the assault decided the battle, and the ferry house and our house were not taken by bayonet fighting as I had feared at the last moment. The riflemen stormed the Lusthaus and Fischer Street at the same time, then back at full speed. After a short battle on the Market, Hochsteg and Neuweg the town was taken. But five or six fell dead or wounded. The following morning the town was taken again, because no reinforcements arrived. And so this whole senseless manoeuver ended. If it had been properly planned and executed with more reinforcements I am sure it would have prevented the terrible catastophe at Friedrichstadt.13 That is how it goes with all human planning. Apart from that, what one thinks one cannot write. It is always possible that it gets into the wrong hands, and then the consequences could be inconceivable.

You write you have once again been disappointed and betrayed by friends. What is that all about? Is there any trouble with Heuzenröder or Fischer? You always write so little about the conditions under which you live there, so we cannot draw any conclusions about it. I can only applaud your intentions of starting your own pharmacy, and hope it will support you. What is the pharmaceutical system like over there? And what are the relations with the medical profession? Will the doctor14 about whom you write also live in the new place? Please collect your thoughts and quietly give us some details about these new arrangements. I expect you have ordered some of the equipment and fittings from Dr Sonder. I am sure to go to Hamburg in a few weeks and will visit him then. Dear Clara will soon be 18 years old.15 That leaves only 3 more years until you can get the money.16 However, I have already taken steps to see if you could not get an advance. I have offered myself to stand guarantor for you, dear Ferdinand, so that the chief guardianship will not be placed in an embarrassing situation. This would be a great help to you, should I succeed, as in a few years over there accumulated interest would exceed the capital. Provided I succeed and get the money one way or another, what would be the best and safest way for you to receive it? — through me? through Dr Sonder? by postal order to Adelaide? by remittance through an English bank? Please answer these questions, although it may prove difficult for me to procure it. Farewell and reply immediately.

Your loving uncle

J. F. Mertens.

The MS is written with some commas, but largely with stops which do not necessarily equate with normal punctuation; in addition J. F. Mertens made many spelling mistakes.
editorial addition.MS is part of a family letter that also includes M. Mertens to M, 28 August 1851, and E. Mertens to M, 3 September 1851.
dieses Jahres.
editorial addition.
Magdalene Mertens.
Probably sent by M as an enclosure to W. Sonder in Hamburg.
During the Danish-German war.
Letter not found. In a fire at Oswald's pharmacy in Rundle Street, Adelaide, 18 April 1850 (Adelaide times, 19 April 1850; South Australian gazette and mining journal, 20 April 1850). Only a specimen of Ulva (as U. divisa Suhr, marine algae, Chlorophyta, MEL 691482), collected by M at Rio de Janeiro in September 1847, seems to have survived the fire. M listed the collections of higher plants that he had made at Rio de Janeiro in a notebook; see 'Breviary of plants observed near Rio de Janeiro', 1847.
Letters not found.
Carl Schedlich. Bertha Müller broke off her engagement with Schedlich apparently because of his poor financial prospects (D4302[L] Memoirs of Carl Gustav Schedlich, Mortlock Library, Adelaide).
Ernst Becker.
M's herbarium, accumulated during the years before his emigration to Australia in 1847.
During the first Danish-German war Friedrichstadt was occupied and strongly reinforced by the Danes. From 29 September to 4 October 1850 the city was attacked and fired on by the Schleswig-Holstein army without success, and a large part of the city was destroyed and burned during this battle.
Eduard Wehl.
14 October 1851.
Clara's portion of the inheritance from their mother's estate, which she was to receive when she came of age on her 21st birthday. See Voigt & Sinkora (1996).

Please cite as “FVM-51-08-28,” in Ɛpsilon: The Ferdinand von Mueller Collection accessed on 6 December 2021, https://epsilon.ac.uk/view/vonmueller/letters/51-08-28