From Ernst Mertens1    3 September 1851

Tönning, d. 3. September 1851.

Geliebter Vetter u. geliebte Cousinen!

So hat es sich denn bestätigt, dass Du, lieber Ferdinand noch diesmal auf unbestimmte Zeit in Australien bleibst, was wir schon halb und halb wegen Deines Ausbleibens nach manchem vergeblichen Harrens vermutheten! Gewiss wäre es angenehm, ja äusserst angenehm für uns Alle gewesen, Dich jetzt wieder in unserer Mitte zu sehen und von nun an ganz in unserer Nähe zu haben; allein wenn wir die wahre Lage der Dinge betrachten, so müssen wir uns mit Deinem Entschlusse, vor der Hand, Deinen Schwestern hauptsächlich zur Liebe, da zu bleiben, ganz einverstanden erklären, da sie gewiss dort ohne Dich manchen Hintergehungen fremder Menschen auf mancherlei Art ausgesetzt sind. Deine beabsichtigte Gründung einer Apotheke auf dem Lande wird Euch ja auch wahrscheinlich noch näher zusammen führen, wie Ihr beim Schreiben des vor einigen Tagen empfangenen Briefes waret. Empfange dann dazu meinen herzlichsten Glückwunsch. Der Himmel möge Dein Mühen mit Segen krönen und es Euch auch ferner wohl gehen lassen! — Hier hat sich seit unsern letzten Frühlingsbriefen, die Ihr hoffentlich schon jetzt in Händen habt, wenig geändert. Das Kriegsspiel hat sein Ende erreicht, aber wie! — Nun darüber kein Wort weiter, denn hier muss man schweigen lernen! Durch die Zeitungen werdet Ihr die fortschreitenden Begebenheiten alle erfahren. — Gottlob, dass es unter diesen Umständen je eher, je lieber, auch unter den jetzigen Zuständen zu Ende ging. Ferdinand und ich haben, weil der Krieg sich in unser friedliches Eiderstedt hineinzog, fast 1/2 Jahr in Dithmarschen zubringen müssen, wo wir das tragische Ende des seltsamen Krieges erlebten. Uns sind auf dem Hofe nicht selten die Kugeln um die Köpfe gesaust, das könnt Ihr Euch bei dem fortwährenden Schiessen wohl denken! Tönning hat ein kleines Gefecht am Michaëlistage 1850 erlebt, in dem die Stadt von unsern Jungen genommen wurde; auch da war ich in Altona u. Ferd. in Meldorf, und am andern Tage war die ganze Geschichte wieder beim Alten. Das arme Friedrichstadt hat sehr gelitten, wohl mehr wie jede andere Stadt in diesem Kriege, doch wird es jetzt schon mit Macht wieder erbaut und verschönert, Unser Hof und Haus ist bis auf mehrere nicht zündende Schüsse glücklicherweise unversehrt geblieben, sowie wir Gottlob vor Verletzungen bewahrt sind! In den letzten Tagen des Januars kamen wir wieder hier an. Tönning war u. ist noch jetzt im Belagerungszustand und von dänischem Militär besetzt, sowie ganz Schleswig, selbst Rendsburg bis ans eigentliche Stadtthor. Die staatliche schl. holst. Armee ist aufgelöst, und Verträge sind geschlossen, indes der eigentliche Friede noch keineswegs abgeschlossen ist. So lange ist Schleswig von Dänen und Holstein von Bunderstruppen besetzt, was Euch die Zeitungen gewiss näher besagen werden. Wir haben diesen Sommer das Glück gehabt, Alle zusammen zu sein und uns in steter Beschäftigung recht wohl befunden. Die andern haben eine Reise nach dem Harz, Aschersleben etc. gemacht, in welcher Zeit Georg u. ich nebst der Braut Georgs, Cousinchen Albertine hiesigen Geschäften vorstanden. Marie ist dort nochmal geblieben. — Ich bin seither in unserm Geschäft u. der Landwirtschaft fortlaufend beschäftigt gewesen, und da ich mich dazu entschlossen habe und ein so grosser Freund von der abwechselnden Beschäftigung in der schönen freien Gottesnatur bin, welche auch an Deiner Gesundheit gewiss weit zuträglicher, als eine andere ist, so habe ich hier, wo wir Alle hinreichenden Wirkungskreis haben einen so angenehmen, als nützlichen Stand im geliebten Familienkreise. Die englische Dampfschiffahrt macht es schon jetzt recht holde, und jeder an seinem Platz ineinandergreifend wirkend, befinden wir uns sehr wohl dabei. — Meine Officierspläne wurden wenn schon meiner Gesundheit, die dazu wohl nicht stark genug war, selber aufgegeben, durch die Wendung des Krieges gänzlich zerstört. — Vielleicht werde ich nächsten in einem der grossartigsten Lieferungsgeschäfte Hamburgs, bei Hr. Ballheimer, einen lehrreichen Platz finden, um mich etwas weiter zum Geschäftsmann auszubilden! — Nun, geliebter Vetter u. geliebte Cousinen, für diesmal genug. Möge dann Euch dieser Brief im besten Wohlsein antreffen! Nach Antwort werden wird hoffentlich diesmal nicht so lange vergebens aussehen. So gehabt Euch denn recht, recht wohl, seid aufs herzlichste gegrüsst und haltet in liebender Erinnerung

Euren

Ernst Mertens.

 
 
 

Tönning, 3 September 1851.

Dear Cousins,

So it has been confirmed now, dear Ferdinand, that for the present you will remain in Australia for an indefinite period. We half expected this with your non-arrival, after waiting so long in vain. Oh yes, it would have been pleasant, extremely pleasant for all of us, to see you once more in our midst, and to have you so close by from now on. However, considering the true state of affairs, we have to agree fully with your decision to remain over there for the present, mainly out of love for your sisters. For without you they would surely be exposed to many a deception by strangers in all kinds of ways. Your intended establishment of a pharmacy in the country2 will probably also bring you all closer together than you were, when you wrote the letter which we received a few days ago. So accept my best wishes for this undertaking. May Heaven crown your efforts with blessings and grant that you will all get on well in the future.

Little has changed here since our letters in spring, which I hope you have received by now. The war games3 have come to an end, but how! Well, not another word about that, — here one has to learn to keep one's mouth shut. You will have been informed of all the past events through the newspapers. Thank God that, under the circumstances, it ended, the quicker the better, even given the present conditions. Ferdinand4 and I had to spend nearly half a year in Dithmarschen, because the war moved into our peaceful Eiderstedt, and there we saw the tragic end to this strange war. On the farm bullets whistled around our heads many a time, as you can well imagine with the constant firing. Tönning, too, saw its small battle on Michelmas Day5 1850, in which the town was taken by our boys. I was in Altona at the time, and Ferdinand in Meldorf. And next day everything had returned again to the way it was before. Poor Friedrichstadt6 has suffered much, probably more than any other town during this war. But already it is being rebuilt and beautified with full endeavour. Luckily our house and farm remained undamaged apart from a few non-incendiary hits, and praise God, we were all preserved from injuries. We all returned here during the last few days of January. Tönning was and still is in a state of siege and occupied by the Danish army, as is all of Schleswig, even right up to the very city gates of Rendsburg. The Schleswig-Holstein State Army has been abolished, treaties have been made; however, no real peace has been procured as yet. Until then Schleswig is occupied by the Danes and Holstein by the Republican Army. The newspapers will no doubt inform you about all this in greater detail.

We have had the good fortune of being able to spend this summer all together, and in keeping busy have felt very well. The others have made a journey to the Harz, Aschersleben etc.7 During this time Georg8 and I, with Georg's fiancee Cousin Albertine,9 looked after the business here. Marie10 stayed on there. I have been kept constantly busy in our business and on the farm since then. Because this is what I have decided, and because I am so fond of the manifold occupations in God's beautiful free nature, which I am sure you must also find more beneficial to your health than anything else, I have found a pleasant and useful place in the loved family circle, where we all find sufficient work to occupy us. English steamshipping makes it already quite favourable, and with each of us in his place, working together and complementing each other, we are getting on very well. My plans to become an officer had to be abandoned in the first instance because of my health, which is not strong enough for that, but with the way the war turned out they were completely destroyed once and for all. I may soon be able to get a place in one of the grandest business houses in Hamburg, with Mr Ballheimer, to learn and to further my education as a businessman.

And now, dear cousins, enough for this time. May this letter find you in the best of health. I hope we will not have to wait so long again for an answer. Keep very, very well, accept my most sincere regards, and keep me in loving remembrance.

Your

Ernst Mertens.

MS is part of a family letter that also includes M. Mertens to M, 28 August 1851, and J. F. Mertens to M, 28 August 1851.
Probably in the Victorian goldfields with Eduard Wehl; see J. F. Mertens to M, 28 August 1851.
The German-Danish war.
Ferdinand Mertens.
29 September.
A large part of the city was destroyed in an unsuccessful attempt by the Schleswig-Holstein army to take the city from the Danes between 29 September and 4 October 1850.
M's grandfather came from Aschersleben. See Voigt & Sinkora (1996).
Georg Mertens.
Albertine Warder?
Marie Mertens.

Please cite as “FVM-51-09-03,” in Ɛpsilon: The Ferdinand von Mueller Collection accessed on 21 June 2021, https://epsilon.ac.uk/view/vonmueller/letters/51-09-03